Giardien bei der Katze

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Für Durchfallerkrankungen bei Katzen gibt es eine Vielzahl von Ursachen. Die dem Durchfall zugrundeliegenden Störungen des Magen-Darm-Traktes werden häufig von mikroskopisch kleinen, einzelligen Parasiten, den Giardien (Giardia intestinalis), ausgelöst. Diese Erreger heften sich an die Darmwand des Dünndarms an und stören dort die regulären Verdauungsvorgänge der Tiere. Dabei sind es vor allem junge Katzen, die die Folgen eines Befalls mit Giardien zu spüren bekommen.

Welche Symptome zeigen Katzen mit Giardien?

Wird eine Katze von Giardien befallen, ist es vor allem von ihrem Alter sowie der Abwehrkraft ihres Immunsystems abhängig, ob sie Krankheitssymptome entwickelt oder nicht. Bei jungen Tieren ist das Immunsystem noch nicht vollständig entwickelt. Sie haben ebenso wie Tiere, deren Immunabwehr aufgrund vorheriger Infektionen geschwächt ist, häufig stark unter einem Befall mit Giardien zu leiden. 

Bei Katzen besiedeln Giardien vor allem den Dünndarm. Wenn sich die Erreger an der Darmschleimhaut durch fortlaufende Längsteilung stark vermehren, stören sie die dortigen Verdauungsvorgänge. In der Folge treten regelmäßig wiederkehrende, mitunter starke und teilweise wässrige Durchfälle auf. Mit Giardien infizierte Katzen fallen oft durch Appetitlosigkeit auf, sie verlieren mitunter stark an Gewicht und wirken lustlos.

Katzen, die von Giardien befallen sind, weisen jedoch nicht immer Anzeichen einer Erkrankung auf. Dies ist insofern von Bedeutung, als dass die Tiere dessen ungeachtet regelmäßig große Mengen an sogenannten Zysten mit dem Kot ausscheiden. Zysten sind besondere Dauerstadien der Giardien, die lange Zeit in der Umwelt überleben können. Scheinbar gesunde Katzen können so ein großes Ansteckungsrisiko für andere Tiere darstellen.

Wie werden Giardien bei Katzen diagnostiziert?

Katzen, die unter (wiederkehrenden) Durchfällen leiden, sollten in jedem Fall einer Tierärztin / einem Tierarzt zur Untersuchung vorgestellt werden. Infolge eines Durchfalls besteht vor allem für junge Katzen das Risiko, dass sie innerhalb kürzester Zeit große Mengen an Flüssigkeit verlieren. Das wiederum kann den Stoffwechsel der Jungtiere dauerhaft schädigen.

TierärztInnen gehen dem Verdacht eines Giardien-Befalls mit verschiedenen Untersuchungsmethoden auf den Grund: So lassen sich etwa im Kot der Katze Bestandteile der Giardien (sogenannte Kopro-Antigene) beispielswiese durch immunologische Tests (ELISA) nachweisen.

Außerdem können TierärztInnen Kotproben der Tiere mittels eines Mikroskops nach Durchführung einer Anreicherungsmethode (sogenannte Flotationsmethode) nachweisen. Dabei werden direkt die Zysten der Giardien detektiert. Um bei diesen und weiteren Untersuchungsmöglichkeiten erfolgreich zu sein, kann es notwendig sein, den Kot der Katze über mehrere Tage hintereinander zu sammeln (Sammelkotprobe).

Da mit Giardien infizierte Tiere nicht zu jedem Zeitpunkt Zysten ausscheiden, ist deren Nachweis häufig nicht dazu geeignet, die Infektion zu bestätigen. Dem gegenüber ist der Kopro-Antigen-Nachweis deutlich sensitiver. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass ein positiver Kopro-Antigen-Befund auch vorliegen kann, wenn das Tier nicht mehr klinisch erkrankt ist. Daher ist es wichtig, den Gesundheitsstatus des betreffenden Tieres stets mit in die Diagnosestellung einzubeziehen.

Wie werden Giardien bei der Katze behandelt?

Wird der Verdacht, dass ein Durchfall bei der Katze von Giardien verursacht wird, durch die labortechnischen Untersuchungen bestätigt, verfügen TierärztInnen über wirksame Medikamente, um den Erreger zu bekämpfen.

Katzen erhalten drei bis fünf Tage in Folge einmal täglich eine ihrem Körpergewicht entsprechende Dosierung eines Arzneimittels für Tiere mit dem Wirkstoff Fenbendazol. Etwa eine Woche nach dieser Behandlung sollte eine erneute Untersuchung des Tieres stattfinden und bei fortbestehenden Symptomen UND erneutem Erregernachweis erneut behandelt werden. Alternativ besteht die Möglichkeit einer über fünf bis sieben Tage zweimal täglich durchgeführten Behandlung mit Metronidazol. Auch hier kann es erforderlich sein, die Behandlung ebenfalls nach einer Woche zu wiederholen. Vor allem junge Tiere entwickeln keine ausreichende Immunität gegen Giardien und können sich daher wiederholt anstecken und erneut erkranken. Daher sind intensive, die Behandlung begleitende Hygienemaßnahmen unerlässlich, um zu vermeiden, dass sich Katzen wiederholt mit Giardia-Zysten aus ihrer Umgebung anstecken.

Woher hat die Katze die Giardien?

Katzen, die mit Giardien infiziert sind, können jederzeit die Fortpflanzungsstadien des Parasiten, die sogenannten Zysten, über ihren Kot ausscheiden und so die direkte Umgebung verunreinigen. Giardia-Zysten bleiben im Kot der Katze rund eine Woche lang ansteckend, in feuchter Umgebung können sie sogar drei Monate lang überleben. Da die Zysten über verunreinigtes Wasser oder Futter direkt aus der Umwelt aufgenommen werden (orale Infektion), stellen sie für andere Katzen ein enormes Gesundheitsrisiko dar. Aus den aufgenommenen Zysten entwickeln sich im Magen-Darm-Trakt befallener Tiere wieder Trophozoiten, die fortpflanzungsfähigen Stadien der Giardien.

Können Giardien von der Katze auf den Menschen übertragen werden?

Giardia intestinalis, die Art von Giardien, wie sie bei der Katze vorkommt, kann auch weitere Tierarten befallen. Es lassen sich verschiedene G. intestinalis-Genotypen unterscheiden, von denen manche sowohl Katzen als auch Menschen infizieren können. Eine Übertragung auf den Menschen ist daher ebenfalls möglich (Zoonose), die Folge können dann auch beim Menschen entsprechende Durchfallerkrankungen sein. Allerdings treten die gleichzeitig für Menschen und Katzen infektiösen Genotypen bei Katzen nur sehr selten auf, so dass letztlich nur ein geringes Infektionsrisiko für Menschen besteht.

Wie kann man Giardien bei der Katze vorbeugen?

Um eine (Neu-)Infektion mit Giardien aus der Umwelt zu vermeiden, ist es ratsam, einige Hygienemaßnahmen zu berücksichtigen: Katzen-Kot wird bestenfalls aufgesammelt und entsorgt. Oberflächen, die durch Kot der Katze verunreinigt wurden, benötigen eine Reinigung mit Wasser mit einer Temperatur von mehr als 60 Grad, eventuell mittels eines Dampfstrahlers. Für alle Flächen und Gegenstände wird eine Desinfektion mit geeigneten Mitteln empfohlen. Shampoonieren der Katze mit chlorhexidindigluconathaltigen Produkten hilft, Giardia-Zysten aus dem Fell der Katze zu beseitigen. Alle Tipps von ESCCAP finden Sie auch zum Herunterladen hier:

Hygienemaßnahmen bei Giardien ESCCAP Tierhalter-Information