Hautpilz bei der Katze

"Photo by Ryan McGuire on Unsplash"

Stumpfes Fell oder ständiges Kratzen aufgrund von Juckreiz, Haarausfall oder entzündete, kahle Stellen im Fell Ihrer Katze – das alles können Symptome für einen Hautpilz (medizinisch auch Dermatophyten) sein. Hautpilze werden durch winzig kleine, für das bloße Auge unsichtbare Teilchen übertragen, sogenannte Sporen. Infektiöses Material besteht aus kleinen Haarteilen, die mit Pilzpartikeln besetzt sind. Lösen sie eine Pilzerkrankung aus, medizinisch Dermatophytose genannt, ist dies nicht nur für die Katze unangenehm, sondern kann auch für den Tierhalter problematisch werden. Denn viele Pilze können von einem betroffenen Tier auf den Menschen übergehen – man spricht dann von Zoonose. 

Eine Dermatophytose gilt als eine der häufigsten infektiösen Hauterkrankungen bei Katzen. Um Ihr Tier und auch sich selbst sachgerecht vor Hautpilzen zu schützen und ein betroffenes Tier erfolgreich behandeln zu können, finden Sie hier einige wichtige Informationen.

Grundsätzlich können alle Katzen an einem Hautpilz erkranken, es gibt jedoch einige Faktoren, mit denen das Risiko steigt:

  • Junge Tiere sowie solche mit geschwächtem Immunsystem haben ein erhöhtes Risiko.
  • Säugende Katzen können mit Hautpilzen infiziert sein und diese auf ihre Welpen übertragen.
  • Perserkatzen haben ein höheres Erkrankungsrisiko als andere Rassen.
  • Es gibt Hinweise darauf, dass sich das Erkrankungsrisiko bei Katzen vererbt.
  • In kleine Hautverletzungen durch Stiche oder Bisse von Ektoparasiten (Flöhe, Zecken, Milben) sowie durch Kratzen siedeln sich Pilzsporen leichter an.
  • Jede Erkrankung, die den Körper schwächt, kann eine Katze für eine Hautpilz-Infektion empfänglicher machen. Liegt ein Pilzbefall vor, sollte daher abgeklärt werden, ob die Ursache dafür womöglich eine andere Erkrankung ist.
  • Warmes und feuchtes Klima begünstigt eine Hautpilzerkrankung.
  • Ein höheres Risiko besteht bei streunenden Tieren, wild lebenden Katzen sowie bei Tieren in Zuchten oder Tierheimen, in denen sie mit anderen Tieren zusammen gehalten werden.
  • Auch bei Tieren, die an Ausstellungen oder Wettkämpfen teilnehmen, besteht ein erhöhtes Risiko. 

Welche Symptome zeigen Katzen mit Pilzbefall?

Hautpilze können sich im Grunde überall auf der Katze ansiedeln, auch die Symptome sind sehr unterschiedlich. Besonders häufig betroffen von einer Infektion mit Dermatophyten sind Kopf, Schwanz, Rücken und Beine der Katze. Sie äußert sich meist als fleckförmiger Haarausfall (Alopezie) im Gesichtsbereich, an den Ohren oder Vordergliedmaßen. Darüber hinaus können von Hautpilz betroffene Katzen unter trockener und gleichzeitig fettiger Haut, Krallenentzündungen und Entzündungen der Haarfollikel und/oder des Unterhaut-Fettgewebes leiden.

Abbildung 1: Es gibt verschiedene Arten von Hautpilzen bei Katzen. Bei Dermatophytosen befallen die Pilze das Fell und die Krallen der Katze. Foto: vetproduction

Wie werden Hautpilze diagnostiziert?

Eine Dermatophytose ist durch bloßes Hinschauen oft schwer von anderen Hauterkrankungen zu unterscheiden. Sollten Besitzer den Verdacht auf eine Hautpilzerkrankung bei ihrer Katze haben, sollten sie das Tier einem Tierarzt vorstellen. Dieser kann anhand von Fell- und Hautproben sicher abklären, ob ein Hautpilz vorliegt. Dazu stehen ihm verschiedene Diagnosemethoden zur Verfügung, die er in der Regel kombinieren wird: 

  • Wood’sche Lampe: Einige Pilzsporen fluoreszieren unter kurzwelligem Licht, z. B. Schwarzlicht oder UV-Licht. Diese Methode ist nicht sehr zuverlässig, kann aber als schneller Versuch zur Diagnosestellung herangezogen werden. Dermatophyten der Gattung Trichophyton etwa produzieren keine Fluoreszenz, daher sollte eine Pilzkultur folgen.
  • Pilzkultur/Bebrütung einer Kultur im Labor: In einem Nährböden wird eine Pilzkolonie gezüchtet. Anteile der Kolonie werden auf einen Objektträger aufgebracht und mit einer bestimmten Flüssigkeit beträufelt. Unter dem Mikroskop kann der Experte charakteristische Merkmale eines Pilzes und damit die genaue Art erkennen.
  • Biopsie: Mit einer Biopsie-Stanze entnimmt der Tierarzt der Katze ein kleines, kreisrundes Gewebestück, das bis in die Unterhaut reicht. Der Pathologe schneidet das Gewebe in hauchdünne Scheiben. Durch besondere Färbungen der Zellen können spezifische, durch Pilze verursachte Veränderungen sichtbar gemacht werden.
  • Trichogramm/Mikroskopische Untersuchung: Der Tierarzt untersucht Haare und Haarwurzeln unter dem Mikroskop.

Abbildung 2: Microsporum Canis, esccap.de

Unter Umständen kann der Tierarzt in seiner Praxis sofort eine klare Diagnose stellen und direkt klären, ob es sich um einen Befall mit Hautpilzen handelt. Manchmal aber müssen ergänzend Untersuchungen von Fell- und/oder Hautproben in einem spezialisierten Labor vorgenommen werden, dafür werden die Fell- und/oder Hautproben eingeschickt. Bis ein endgültiges Ergebnis vorliegt, kann es einige Wochen dauern.

 

Wie wird Hautpilz bei der Katze behandelt?

Die Behandlung gegen Hautpilze basiert auf drei Säulen:
1)    Das Tier wird „systemisch“ behandelt, d. h. es bekommt eine Spritze und/oder Medikamente zur Eingabe über das Maul (sogenannte Antimykotika). Die Hautpilze werden damit „von innen heraus“ bekämpft.
2)    Gleichzeitig wird die Haut „lokal“ behandelt, d. h. das Fell und die Haut werden äußerlich mit Medikamenten gewaschen und/oder eingerieben. Diese äußere Behandlung beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Behandlung sichtbar betroffener Bereiche, sondern schließt den gesamten Tierkörper ein. Das sollten Tierhalter über den gesamten Behandlungszeitraum mindestens zweimal in der Woche durchführen.
3)    Das Scheren des Fells, vor allem bei stark infizierten Tieren oder Tieren mit langem Fell, erleichtert die Anwendung und das Eindringen der Wirkstoffe.
 
Das Ziel der Hautpilzbehandlung ist, das Tier von lästigen Symptomen zu befreien, die Krankheitsdauer zu verkürzen und auch eine weitere Ausbreitung in der Umgebung sowie Übertragung auf weitere Tiere und den Menschen zu verhindern. Daher sollten Katzenbesitzer gleichzeitig nicht nur die Umgebung des Tieres desinfizieren, sondern auch Gegenstände, mit denen das Tier Kontakt hatte. So lässt sich eine Neu-Ansteckung verhindern. Auch sollten betroffene und nicht-betroffene Tiere getrennt gehalten werden.

 

 

Können Hausmittel gegen Hautpilze helfen?

Bei der Suche nach Tipps, um Pilzerkrankungen zu behandeln, stoßen Tierhalter gerade im Internet immer wieder auf Hausmittel – von Teebaumöl, Kokosöl über Joghurt und Knoblauch bis hin zu Essig. Fakt ist: Die Wirkung dieser „Hausmittel“ ist nicht wissenschaftlich belegt! Im Gegenteil: Vieles davon ist sogar schädlich für Katzen und kann Allergien oder Vergiftungen verursachen. Nur zugelassene, geprüfte Tierarzneimittel bieten einen sicheren Schutz, das heißt also: Eine Behandlung gegen Hautpilze sollte ausschließlich durch einen Tierarzt erfolgen!

Wie kann man einem Pilzbefall bei der Katze vorbeugen?

Das größte Risiko für eine Hautpilzinfektion haben Welpen sowie alte und geschwächte Tiere. Dennoch kann sich auch jedes andere Tier jederzeit anstecken. Deshalb sollte man grundsätzlich jede Katze vor einem Befall mit Hautpilzen schützen. Zu den Vorsichtsmaßnahmen zählen:

  • Kontakt mit einem betroffenen Tier oder einer verunreinigten Umgebung meiden
  • Desinfektion von Räumen und Gegenständen einmal pro Woche, unabhängig von offensichtlichen Hautpilzfällen
  • Ist ein Tier einer möglichen Ansteckung ausgesetzt, z. B. im Rahmen von Ausstellungen, bei einem Aufenthalt in einer Tierpension oder einem Tierheim, so sollten Haut und Fell der Tiere anschließend einmalig äußerlich behandelt werden, bevor das Tier in den Haushalt/die Zucht zurückkommt und mit Menschen oder anderen Tieren Kontakt hat
  • Parallel dazu Desinfektion von Transportkorb, Decken, Halsbändern usw., mit denen das Tier in dieser Zeit Kontakt hatte
  • In Zuchten sowie in Tierheimen sollten Tiere regelmäßig auf einen Hautpilz hin untersucht werden. Manche Tiere tragen den Erreger in sich, ohne selbst Symptome zu zeigen. Trotzdem können sie andere Katzen anstecken, daher ist eine regelmäßige Kontrolle aller Tiere wichtig. 

Können Hautpilze von der Katze auf den Menschen übertragen werden?

Viele Krankheitserreger haben zoonotisches Potenzial, das heißt, sie können sowohl Tiere als auch Menschen befallen. Das gilt auch für Hautpilze. Eine Katze kann also ihren Besitzer anstecken. Um sich und andere davor zu schützen, sollten Tierhalter folgende Regeln beachten:

  • nach Kontakt mit dem Tier gründlich Hände waschen, Tier nicht auf dem Sofa oder im Bett schlafen lassen
  • bestehende Hautpilzinfektionen beim Tier behandeln und das Umfeld desinfizieren
  • Kinder, Schwangere und immungeschwächte Personen von betroffenen Tieren und möglicherweise mit Hautpilzteilchen verunreinigten Gegenständen und Räumen fernhalten 

Wie lange ist der Hautpilz ansteckend?

Sporen verbreiten sich sehr leicht und die Pilzpartikel können bei optimalen Bedingungen über Jahre hinweg ansteckend bleiben. Umso wichtiger ist es, bei einem Befall sowohl die Umgebung als auch alle Gegenstände, mit denen die Katzen in Kontakt war (Körbchen, Spielzeug) zu desinfizieren.  

Die ESCCAP-Tierhalter-Information „Empfehlung zur Bekämpfung von Hautpilzen“ finden Sie hier auch als PDF zum Download.

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