Das sollten Sie über Kokzidien bei Kaninchen wissen

"Foto: pixabay/Simona Robová"

Ein Befall mit Kokzidien (lat. Coccidia/Coccidiasina) ist bei Kaninchen die häufigste Parasitose und kann vor allem bei Jungtieren tödlich enden. Für Tiermedizinische Fachangestellte ist die Kokzidiose bei Kaninchen ein häufig gesehenes Krankheitsbild in der Praxis. Erfahren Sie hier alles Wichtige zu Ursachen, Symptomen, Diagnostik und Therapie. Und um Ihnen den Praxisalltag zu erleichtern, finden Sie hier ein praktisches ESCCAP-Factsheet zu Hygienemaßnahmen bei Kokzidienbefall zur Abgabe an Tierhalter.

Kokzidien werden oral aufgenommen. Bei einer großen Anzahl von Kaninchen, die gemeinschaftlich gehalten werden, also beispielsweise in Zuchtbeständen, sind Kokzidien weit verbreitet. Hier werden Jungtiere oft über die von der Mutter ausgeschiedenen und die Umgebung kontaminierenden Kokzidienstadien infiziert. Aber auch bei Hauskaninchen können die kleinen einzelligen Parasiten (Protozoen), zu denen die Kokzidien zählen, eine Infektion hervorrufen. Die Übertragung kann beispielsweise über verschmutztes Grünfutter erfolgen. Wildkaninchen fungieren dabei häufig als Ausscheider und kontaminieren damit das Gras auf den Wiesen. Es gibt eine Reihe für das Kaninchen spezifische Kokzidienarten, die alle zu der Gattung Eimeria spp. zählen. Die pathogensten Arten sind dabei die sich im Darm ansiedelnden Arten Eimeria intestinalis und Eimeria flavescens sowie Eimeria stiedai als Erreger der Leberkokzidiose.

Die aufgenommenen Kokzidienarten E. intestinalis und E. flavescens führen zu Störungen im Magen-Darm-Trakt. Nach der Aufnahme vermehren sie sich in der Darmschleimhaut und werden über den Darm als Oozysten, nur mit dem Mikroskop sichtbare, eiförmige Stadien, in die Umwelt ausgeschieden. Dort entwickeln sie sich zu infektiösen Stadien, den sogenannten sporulierten Oozysten, weiter. Werden diese wiederum von anderen Kaninchen aufgenommen, schließt sich der Kreislauf der Übertragung. Kokzidienoozysten können in einer feuchtwarmen Umgebung über Monate infektiös bleiben. Wie bereits angemerkt tritt neben der Darmkokzidiose bei Kaninchen auch die von E. stiedai verursachte Leberkokzidiose auf. Während die zuerst genannte Kokzidiose vornehmlich bei Jungtieren im Alter von 6 bis 8 Wochen auftritt, kommt die Leberkokzidiose häufiger bei älteren Tieren vor. Eimeria stiedai schädigt vor allem das Gewebe der Gallengänge.

Welche Symptome verursacht die Kokzidiose beim Kaninchen?

Die Darmkokzidiose kann bei Kaninchen zu breiig-wässrigem Durchfall, Gewichtsverlust und vermindertem Appetit führen. Der Bauch ist durch die vermehrte Gasbildung häufig aufgebläht. Insbesondere bei Jungtieren kann dies schon ein Hinweis auf einen Kokzidienbefall sein. Es ist nicht selten, dass es parallel zum Parasitenbefall zu weiteren bakteriellen Infektionen kommt, wodurch eventuell andere Symptome im Vordergrund stehen. Auch Entwicklungsstörungen oder plötzliche Todesfälle ohne vorherige Symptome können bei der Darmkokzidiose auftreten.
Ähnlich ist es bei der Leberkokzidiose: Eine leichte Infektion kann symptomlos vonstattengehen. Treten Beschwerden auf, kann es auch hier zu Fressunlust, Verstopfung (Obstipation), Gewichtsverlust sowie Gelbsucht (Ikterus), vergrößerter Leber (Hepatomegalie) und Bauchwassersucht (Aszites) kommen.  
Wie ausgeprägt sich Symptome zeigen, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Darunter

  • welche Eimeria-Art die Infektion verursacht,
  • wie stark der Befall mit dem Parasiten ist (leicht, mittel, stark) oder
  • wie stark das Immunsystem des Kaninchens ausgeprägt ist.

Junge Kaninchen zeigen am ehesten Krankheitszeichen. Überstehen Kaninchen die Erstinfektion, sind sie gegen diesen entsprechenden Erreger der Kokzidiose bei zukünftigen Infektionen vor Krankheitssymptomen geschützt. Infektionen können also jedes Mal dann auftreten, wenn ein Kaninchen mit einer bestimmten Eimeria-Art noch nicht in Berührung gekommen ist und noch keine Immunität gegen den entsprechenden Erreger erworben hat.

Wie können Kokzidien beim Kaninchen diagnostiziert werden?

Eine Darmkokzidiose lässt sich durch den Nachweis von Oozysten im Kot diagnostizieren. Dabei reicht ein Nativausstrich, im Zweifelsfall kann auch ein zusätzliches Flotationsverfahren Klarheit schaffen. Ist dies notwendig, vor allem bei asymptomatischen Kaninchen, sollten dafür Sammelkotproben verwendet werden. Eimerien können mit dem Hefepilz Cyniclomyces guttulatus verwechselt werden. Hefen lassen sich ebenfalls durch den Nativausstrich einfach nachweisen und können durch das veränderte Darmmilieu auch zusätzlich zur Darmkokzidiose auftreten.

Eine Leberkokzidiose hingegen kann anhand der Symptome, einer körperlichen Untersuchung und einem Ultraschall der Leber und Gallengänge diagnostiziert werden. Zusätzlich kann eine Kotuntersuchung durchgeführt werden. Wird auch eine Blutprobe untersucht, so können sich erhöhte Leber- und Entzündungswerte zeigen.

Wie wird eine Kokzidiose bei Kaninchen behandelt?

Auch wenn das Kaninchen keine Krankheitszeichen zeigt, der Parasit jedoch im Kot nachgewiesen wurde, sollte ein Befall immer behandelt werden. Die Therapie erfolgt auf unterschiedlichen Ebenen. Zum einen erhält das betroffene Tier Medikamente mit dem Wirkstoff Toltrazuril über einige Tage. Gibt es zusätzliche Infektionen, die von Bakterien oder Hefepilzen verursacht sind, wird gegen diese ein Antibiotikum oder ein Antimykotikum verabreicht. Bestehen Durchfälle, wird weiterführend eine Durchfalltherapie mit einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr angeraten. Es gibt zwar einen Impfstoff gegen Kokzidien bei Hühnern, jedoch nicht bei Kaninchen. Allerdings erwerben Kaninchen, die eine Infektion mit einem bestimmten Kokzidiose-Erreger überstanden haben, eine natürliche Immunität.

Daneben spielen hygienische Maßnahmen eine ausschlaggebende Rolle, bei der insbesondere die Tierhalter gefragt sind und aus diesem Grund ausführlich informiert werden sollten.
Hierauf sollten Patientenbesitzer achten:

  • Alle glatten Flächen im Stall oder im Gehege wie Toilettenschalen sollten mit 10%iger Ammoniaklösung oder kochend heißem Wasser desinfiziert werden, da Kokzidien ab Temperaturen von 60 °C abgetötet werden.
  • Gehege oder Gehegeelemente aus Holz können nicht ausreichend desinfiziert werden und sollten daher entsorgt bzw. unschädlich gemacht werden.
  • Werden Kaninchen draußen gehalten, kann mit Platten verlegter Bodenbelag ausgeflämmt werden.
  • Bei einem Erdboden hingegen ist eine Desinfektion nicht möglich. Dieser müsste ausgehoben werden. Aus diesem Grund kann hier bei Befall mit Kokzidien eine regelmäßige Behandlung des Kaninchens sinnvoll sein, um die Parasitenlast so gering wie möglich zu halten.

Wie schlimm ist eine Kokzidiose bei Kaninchen?

Tierhalter möchten verständlicherweise bei einem Verdacht auf eine Kokzidiose wissen, ob der Parasitenbefall gefährlich ist. Grundsätzlich wird die Tierärztin/der Tierarzt darauf hinweisen, dass es auf die Form und Intensität der parasitären Infektion ankommt. Sind es sehr pathogene Erreger, besteht ein starker Befall und ist der Immunstatus des Kaninchens schlecht, kann eine Kokzidiose auch tödlich verlaufen.

Wie sieht es mit Hausmitteln gegen Kokzidien beim Kaninchen aus?

Unseres Wissens nach gibt es keine wissenschaftlichen Erkenntnisse zu Hausmitteln, die gegen einen Kokzidienbefall bei Kaninchen wirken. Da auch Mittel oder Medikamente auf natürlicher Basis nicht harmlos sind, sollten Tierhalter ihren Einsatz vorher mit der Tierärztin/dem Tierarzt zu besprechen.

Kann man einer Kokzidiose beim Kaninchen vorbeugen?

Um einen Befall mit Kokzidien zu verhindern, sind einige hygienische Maßnahmen zu beachten. Diese sind:

  • Jungtiere sollten vor einer Vergesellschaftung mit anderen Kaninchen durch eine Kotuntersuchung auf Kokzidien getestet werden. Dies gilt auch für ältere Tiere, die als neue Partnertiere eingesetzt werden.
  • Der Kontakt mit Wildkaninchen sollte vermieden werden.
  • Die Tiere sollten nicht auf Flächen gehalten werden, die nicht desinfizierbar sind (z. B. Holz).
  • Tägliche Reinigung vor allem von kotverschmutzen Futterhaufen, um den Entwicklungszyklus der Kokzidien zu unterbrechen.
  • Es ist nicht ratsam, Frischfutter von Grünflächen (z. B. Gras) zu verfüttern, zu denen auch Wildkaninchen Zugang haben.
  • Auf eine geeignete Fütterung ist zu achten. Negativ auf das Darmmilieu als auch auf die Darmmotilität auswirken können sich vor allem ein hoher Kohlenhydratanteil (z. B. in Pellets oder bei Mischfuttermittel) und zu wenig Heu oder Grünfutter.

Stand: Oktober 2019

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