Hund ist Grass

Was tun, wenn der Hund Kot frisst?

Wenn Hunde Kot fressen, ist das sehr unangenehm für den Hundehalter. Daneben birgt dieses Verhalten aber auch ein Risiko für Krankheiten und Parasitenbefall – sowohl für den Hund als auch seine Umwelt. Erfahren Sie hier, welche verschiedenen Ursachen und Auswirkungen Kotfressen haben kann und zu welchen Tipps unser Parasiten-Experte Professor Dr. Georg von Samson-Himmelstjerna in solchen Fällen rät.

Unsere Hunde werden meist wie Familienmitglieder behandelt. Häufig dürfen sie mit aufs Sofa, bei vielen Hundehaltern sogar mit ins Bett. Frisst Ihr Hund jedoch Kot, dann kann er zu einer gefährlichen Infektionsquelle für Krankheiten und Parasiten werden und so zu einem Gesundheitsrisiko für sich selbst und seine Halter. Spätestens, wenn er menschlichen Stuhl gefressen hat, besteht dringender Handlungsbedarf, dem Hund das Kotfressen abzugewöhnen.

Vorsicht bei Pferdekot

Akut gefährlich kann die Aufnahme von Pferdekot sein, wenn nämlich die betreffenden Pferde kurz zuvor mit bestimmten (d. h. makrozyklische Lactone enthaltende) Wurmkuren behandelt wurden. Für Hunde mit dem so genanntem MDR1-Gendefekt, ist dies besonders gefährlich und kann sogar zu einer tödlichen Vergiftung führen. Dieser Gendefekt kommt bei bestimmten Rassen wie z. B. Collies, Longhaired Whippet oder Australien Shepherd besonders häufig vor.

Der Hund als Infektionsquelle

Den Weg zum Menschen finden die Krankheiterreger häufig über das Fell des Hundes und über die Schnauze. Wenn Sie bemerken, dass Ihr Hund Kot frisst, dann ist es wichtig auf eine konsequente Hund- und Handhygiene zu achten. Häufige Erreger, die dem Halter des Hundes durch „Koprophagie“ – wie Kotfressen wissenschaftlich genannt wird – gefährlich werden können, sind unter anderem:

  • Giardien (hochinfektiöse, einzellige Parasiten)
  • Wurmeier
  • Spulwürmer
  • Verschiedene Bandwurm-Arten, wie Hundebandwürmer oder Fuchsbandwurm
  • Toxoplasmen aus Katzenkot
  • Diverse bakterielle Erreger wie z. B. Salmonellen aus Hühner- oder Nagetierkot

Zur eigenen Sicherheit, der des Hundes und der Umgebung ist es daher ratsam, das Kotfressen sofort zu unterbinden. Bei der Ursachenfindung für dieses Verhalten können Ihnen der Tierarzt Ihres Vertrauens oder ein Hundetrainer behilflich sein.

Mögliche Ursachen von Kotfressen

Bei Hündinnen die geworfen haben ist es nur natürlich, dass sie die Ausscheidungen ihres Nachwuchses fressen. Zeigen andere Hunde jedoch erstmalig oder dauerhaft ein solches Verhalten, dann kommen als Ursache eine ganze Palette von Möglichkeiten in Betracht. Schlechte hygienische Bedingungen im Zwinger aber auch bestimmte Verhaltensweisen der Halter, wie eine zu strenge und wenig liebevolle Erziehung, oder häufiges Alleinsein können den Hund stressen, überfordern oder frustrieren – und somit als Auslöser der Koprophagie in Frage kommen.
Viele Hunde haben zudem gelernt, durch Kotfressen mehr Aufmerksamkeit zu erregen. Sobald Ihr Hund ein solches Verhalten zeigt – aus welchem Grund auch immer – ist als Konsequenz ein Besuch beim Tierarzt nötig.  Nur er kann körperliche Ursachen, wie eine Bauchspeicheldrüsenentzündung, ausschließen und Entwurmungskuren oder Kotuntersuchungen durchführen.

Nur ganzheitliche Lösung

Das Abtrainieren der Koprophagie kann unabhängig von der Ursache langwierig und frustrie-rend sein. Wenn Ihr Tierarzt keine körperlichen Ursachen feststellen konnte, dann sind verhaltenstherapeutische Maßnahmen durch einen Hundetrainer sinnvoll. „Sie können aber auch selbst bereits einiges für Ihren Hund tun“, sagt der Veterinärparasitologe Professor Dr. Georg von Samson‐Himmelstjerna, Vorsitzender der Expertenorganisation ESCCAP Deutschland und Direktor des Instituts für Parasitologie und Tropenveterinärmedizin der Freien Universität Berlin. Er gibt dazu folgende Tipps:

„Grundsätzlich ist es hilfreich, für eine ausreichende Hygiene zu sorgen und Hundehaufen um-gehend zu entfernen. Durch Anleinen hindern Sie Ihren Hund am Stöbern und ein Maulkorb unterbindet das Kotfressen. Wichtig ist es auch für ausreichend Beschäftigung zu sorgen. Las-sen Sie Ihren Hund beim Gassi-Gehen beispielsweise den Futterbeutel tragen.“

Auch sollten für den Hund stressige Situationen vermieden und im Internet angepriesene Hausmittel wie Heilerde, Hefe oder Pfeffer hinterfragt werden. Als gute Akuthilfe gegen Kotreste im Schnauzenbereich stellt das Fressen eines ganzen Apfels dar. So können die Zahnzwischenräume gesäubert werden.

Tipps, wenn Ihr Hund Kot frisst

  • Sorgen Sie für eine stressfreie, liebevolle und saubere Umgebung für Ihren Hund
  • Klären Sie mögliche körperliche Ursachen beim Tierarzt ab
  • Stellen Sie insbesondere bei Hunden mit MDR1-Gendefekt sicher, dass kein Pferdekot auf-genommen wird
  • Nehmen Sie verhaltenstherapeutische Hilfe in Anspruch

Stand: März 2020

Titelfoto: Hund isst Gras, Bild von Markéta Machová auf Pixabay.


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