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ESCCAP-Expertenrat von Professor Dr. Anja Joachim und Dr. Maria Unterköfler:

Gefahren durch Parasiten im Garten

 

Oxyuris equi mit typischen sanduhrförmigen Ösophagus.

Mit steigenden Temperaturen im Frühjahr beginnt auch wieder die Gartensaison. Dabei kann man jedoch auf Zecken und andere Blutsauger treffen, die eine Reihe von Krankheitserregern übertragen. Außerdem können Tiere, die unsere Gärten besuchen, über ihre Hinterlassenschaften Erreger in unsere Gärten bringen. Erfahren Sie in unserem ESCCAP-Expertenrat, welche das sind, wo Blutsauger lauern und was Sie dagegen tun können.

Wenn das Wetter wärmer wird, können GartenbesitzerInnen sich wieder an ihrem grünen Paradies erfreuen. Leider wird diese Freude gelegentlich durch blutsaugende Plagegeister wie Zecken oder Stechmücken getrübt, die nicht nur lästig sind, sondern auch Krankheitserreger auf Menschen und Haustiere übertragen können.

In der Vegetation können Zecken lauern

Zecken befinden sich meist im Schatten von Sträuchern, aber auch an höher gewachsenem Gras oder krautigen Pflanzen, und lauern hier auf ihre Opfer. Meistens befallen sie Gartenbewohner wie Mäuse oder Vögel, aber auch Hunde, Katzen oder deren BesitzerInnen sind gefährdet.

Zecken saugen über Stunden bis Tage Blut; der Stich selbst ist aber allgemein nicht gefährlich und bleibt oft unbemerkt, bis die Zecke von selbst wieder abfällt. Bis dahin können dabei jedoch eine Reihe tierspezifischer, aber auch für Menschen ansteckende Krankheitserreger übertragen werden.

Da Zecken selbst nur wenige Meter weit krabbeln, kommen sie kaum aktiv in den Garten, sondern werden von ihren Wirten hineingetragen. Im Freiland und im Garten trifft man daher regelmäßig auf Zecken. Die Zeckenweibchen legen nach der Blutmahlzeit ihre Eier in der Umgebung ab und umgeben sie mit einer gelartigen Masse, die sie vor dem Austrocknen schützt.

Stechmücken sind auf Wasser angewiesen

Stechmücken sind dagegen auf Wasseransammlungen angewiesen, um ihre Eier abzulegen, aus denen sich dann die Larven entwickeln. Viele Mückenarten begnügen sich dafür mit Wasser in Untersetzern von Pflanztöpfen, in Regentonnen oder wassergefüllten unbenutzten Gießkannen.

Das Gelege einer einzelnen Mücke kann dabei mehrere Hundert Eier umfassen. Je wärmer es ist, desto schneller schlüpfen daraus die Larven, die anschließend im Wasser heranwachsen, bis sie sich verpuppen. Im Hochsommer dauert die Entwicklung von der Eiablage bis zum Schlupf der erwachsenen Mücke je nach Art eine bis drei Wochen. Stechmücken sind hierzulande von Frühjahr bis Herbst aktiv.

Es wird oft angeführt, dass tiefe Wintertemperaturen zum Absterben der kleinen Plagegeister führen. Erwachsene Mücken überwintern aber häufig an wärmeren Orten wie Kellern oder Höhlen. Im Frühjahr werden sie wieder aktiv, und es entstehen oft in kurzer Zeit massenhaft Nachkommen, vor allem bei Überschwemmungs- und Hausmücken.

Wenn man die Brutstellen für Mücken im Garten reduziert, kann man die Anzahl der fliegenden Plagegeister verkleinern. Auch die Verwendung chemischer oder geprüfter pflanzlicher Abwehrmittel auf der Haut ist effektiv, darüber hinaus können die ätherischen Öle bestimmter Pflanzen Insekten abwehren. Dabei ist darauf zu achten, dass gelegentlich Unverträglichkeitsreaktionen auftreten können.

Leider stellt ein naturnaher Garten mit Wasserstellen für Insekten und Vögel sowie höherstehendem Gras statt getrimmtem Rasen ein geeignetes Habitat für die wirbellosen Vampire dar. Das Gras dient dabei als Windschutz für Stechmücken und „Ansitz“ für Zecken, die Wasserstellen als Brutstätte für die Mücken.

Natürliche Bekämpfung bislang schwierig und nicht im Sinne der Biodiversität

Es werden verschiedene biologische Kontrollmaßnahmen erforscht, etwa das Ausbringen von Bakteriensporen, die in den Brutgewässern gezielt Steckmückenlarven abtöten, oder Fadenwürmer, die Zecken befallen können. Solche Maßnahmen sind bislang allerdings noch zu wenig für die Anwendung in Gärten untersucht, um sie für eine Bekämpfung zu empfehlen. Zudem widerspricht das Ausbringen von Pestiziden zweifellos dem Gedanken eines Gartens, in dem nicht nur Pflanzen einen Platz haben, sondern auch die Tiere, die auf sie angewiesen sind.
Selbst wenn wir uns von den kleinen Blutsaugern gelegentlich belästigt fühlen, sollten wir nicht vergessen, dass Vogelarten und viele andere Gartenbewohner auf Insekten und andere Kleinlebewesen als Nahrung angewiesen sind. Zu den Tieren, die auf die ungeliebten Parasiten Jagd machen, gehören teilweise gefährdete Arten wie

  • Frösche,
  • Kröten,
  • Igel,
  • spezialisierte Fressfeinde wie die Erzwespe oder
  • bestimmte Ameisen wie die Rote Waldameise, die Zecken jagen.

Für Vögel (z. B. Schwalben, Mauersegler), Fledermäuse, Libellenlarven und andere Wasserbewohner sind Stechmücken oder ihre Larven eine willkommene Beute.

Haustiere am besten ganzjährig gegen Ektoparasiten schützen

Um Katzen oder Hunde vor Mücken- und Zeckenstichen und der Übertragung entsprechender Krankheitserreger zu schützen, ist ein Schutz durch dafür zugelassene Veterinärarzneimittel angebracht. Nähere Informationen hierzu finden Sie in der ESCCAP-Empfehlung Nr. 5: Bekämpfung von durch Vektoren übertragenen Krankheiten bei Hunden und Katzen. Dabei sollte beachtet werden, dass die Stechmücken-Aktivität bei uns auf die Sommermonate beschränkt ist, Zecken jedoch prinzipiell ganzjährig aktiv sein können.

Vorsichtsmaßnahmen gegen parasitäre Erkrankungen bei Mensch und Tier

Da Gärten von einer Vielzahl von Tieren besucht werden, muss man auch mit deren Hinterlassenschaften rechnen. Dies kann im Fall von Fleischfressern wie Katzen, Rotfüchsen oder Waschbären dazu führen, dass deren Parasiten in den heimischen Garten gelangen, wo sie unter Umständen Menschen und ihre Haustiere infizieren.

Dass Katzen ihren Kot gerne in weicher Erde (Gemüsebeet, Sandkästen) vergraben, ist bekannt. So können sie Parasiten wie den Spulwurm Toxocara cati oder den Einzeller Toxoplasma gondii mit in den Garten bringen. Die Übertragungsstadien beider Parasiten sind sehr langlebig und können noch Monate, nachdem der Kot abgesetzt wurde, ansteckend sein. Die Infektion erfolgt durch Aufnahme der infektiösen Stadien über den Mund – etwa durch Kontakt mit verschmutzten Händen. Bei Kleinkindern ist zudem der regelrechte Verzehr von Erde oder Sand ein Risiko.

Erkrankungen durch Spulwürmer folgen aber nur selten. Dazu gehört das sogenannte Larva-migrans-Syndrom, bei dem aus den aufgenommenen Eiern des Spulwurms die Larven schlüpfen und beginnen, durch den Körper zu wandern. Wurden nur wenige Eier aufgenommen und die Wanderung beschränkt sich auf größere innere Organe, bleibt die Infektion meist unbemerkt, größere Larvenzahlen oder eine Migration durch das zentrale Nervensystem oder ins Auge können jedoch folgenreich sein und zu erheblichen, teils sogar irreparablen Schäden führen.

Auch Rotfüchse besuchen gelegentlich Gärten und setzen dabei ihren Kot als Markierung ab. Neben Spulwürmern sind Füchse teilweise mit dem Fuchsbandwurm infiziert. Dessen Eier enthalten Larven, die über Schmierinfektionen oder mit diesen Eiern beschmutztes Gemüse und Fallobst versehentlich aufgenommen werden können. Diese infizieren nach der Aufnahme die Leber und verursachen schwerwiegende Organveränderungen. Die sogenannte alveoläre Echinokokkose bei Menschen ist eine seltene, aber sehr ernst zu nehmende Erkrankung, daher sollte Füchsen der Zugang zu Gärten möglichst verwehrt werden. Keinesfalls darf man sie mit Futter anlocken, denn sie werden schnell zutraulich und daher zu regelmäßigen Besuchern im Garten.

Hunde können ebenfalls Rund- und Bandwürmer ausscheiden, die für den Menschen ansteckend sind. Deshalb sollten sie – ebenso wie Katzen – regelmäßig entwurmt werden. Wie oft das geschehen sollte, richtet sich nach dem jeweiligen Infektionsrisiko. Dieses können Sie anhand unseres Entwurmungsschemas oder mit einem Entwurmungstest für Hunde und Katzen ermitteln.

Toxoplasma gondii: Gefahr für Schwangere

Toxoplasma gondii gelangt ebenfalls mit dem Kot infizierter Katzen in den Garten und kann als Schmierinfektion oder durch mit dem Erreger beschmutztes Gemüse übertragen werden. Die Infektion verläuft meist unbemerkt, die Parasiten können aber bei Schwangeren, die vorher noch keinen Kontakt mit dem Erreger und entsprechend keine Abwehr gegen den Parasiten haben, unter Umständen das Ungeborene infizieren. Im schlimmsten Fall führt dies zu Missbildungen oder sogar zum Tod. Daher ist insbesondere während der Schwangerschaft eine angemessene persönliche Hygiene bei der Gartenarbeit (Handschuhe tragen, Hände waschen) einzuhalten. Auch immunsupprimierte Personen können an einer Toxoplasmose schwer erkranken.

Trotz aller Umsicht kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich Parasitenstadien in der Umgebung befinden. Deshalb ist die wichtigste Maßnahme, sich nach dem Aufenthalt im Garten und vor dem Essen gründlich die Hände mit Seife zu waschen. Selbst angepflanztes Obst und Gemüse sollte sorgfältig gereinigt werden, vor allem, wenn es roh verzehrt werden soll.
Mit diesen einfachen Maßnahmen kann die Gefahr, sich im Garten mit Parasiten von Tieren anzustecken, deutlich gemindert werden. Weitere Informationen, wie Sie sich und Ihre Haustiere vor parasitären Infektionen schützen, können Sie unserem Factsheet zu allgemeinen Hygienemaßnahmen entnehmen.

  1. Zecken lauern an niedriger Vegetation auf ihre Opfer und lassen sich beim Vorbeigehen abstreifen. Sie befallen Nager und Vögel, aber auch Hunde, Katzen und Menschen und übertragen verschiedene Krankheitserreger.
  2. Stechmücken können etwa 100 m weit fliegen und auch von außerhalb des Gartens „angreifen“.
  3. Wasserstellen wie Regentonnen sind Brutplätze für Stechmücken und sollten abgedeckt werden, um die Ablage von Mückeneiern zu verhindern.
  4. Selbst kleinste Wasseransammlungen wie Blumenuntersetzer können von Stechmücken als Brutstätten genutzt werden. Es empfiehlt sich deshalb, sie wöchentlich zu entleeren.
  5. Kot von Hunden, Katzen und Füchsen kann Parasitenstadien enthalten, die für andere Tiere und auch den Menschen gefährlich sein können. Hunde sollten ihren Kot nicht im Garten absetzen; falls dies doch geschieht, sollte er eingesammelt und im Hausmüll entsorgt werden. Das gilt auch für Kot von Katzen und Füchsen.
  6. Um zu verhindern, dass freilaufende Tiere Kot in Sandspielplätzen absetzen, sollten diese abgedeckt werden, wenn sie nicht benutzt werden. Es ist außerdem ratsam, den Sand regelmäßig zu wechseln.

Frau Professor Dr. Anja Joachim ist Leiterin des Instituts für Parasitologie an der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni Vienna). Zudem ist sie Mitglied der unabhängigen Expertenorganisation ESCCAP (European Scientific Counsel Companion Animal Parasites) und nationale Vertreterin von ESCCAP Österreich.

Frau Dr. Maria Unterköfler (PhD) ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Parasitologie an der Veterinärmedizinischen Universität Wien.

Stand: Juni 2026

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