Einleitung
Die Erreger der Borreliose werden durch einen Zeckenstich übertragen. Ähnlich wie Menschen können Tiere an Borreliose erkranken, insbesondere Hunde. Kommt ein Tier mit einem Zeckenstich in die Praxis, ist es wichtig, Borreliose-Symptome und mögliche Spätfolgen zu kennen und TierhalterInnen über einen konsequenten Zeckenschutz aufzuklären.
Woran erkennen Sie Borreliose beim Hund?
Nach einem Zeckenstich verbreiten sich die Borrelien im Körper. Bis es zu Symptomen kommt, können einige Monate vergehen. Mögliche Symptome sind unter anderem folgende:
- Leichtes Fieber und Mattigkeit
- Lymphknotenschwellung
- Gelenkschwellung und Lahmheit infolge von Gelenkentzündungen (Arthropathien)
- Chronische Gelenkentzündungen mehrerer Gelenke (Polyarthritis)
In manchen Fällen kommt es als Spätfolge einer Borreliose beim Hund zu einer Nierenentzündung (Glomerulonephritis).
Überträgt eine Zecke durch einen Stich Borrelien, breiten sich die Erreger von der Eintrittsstelle allmählich in der Haut aus. Bei infizierten Menschen ist dies an einer kreisförmigen Rötung um den Stich herum zu erkennen. Mit der Zeit breitet sich diese aus, weshalb sie auch unter Wanderröte (Erythema migrans) bekannt ist. Diese fehlt beim Hund. Nur gelegentlich lässt sich eine schwache Hautrötung beobachten, an dicht behaarten Körperstellen bleibt sie jedoch meist unbemerkt.
Wie wird Borreliose beim Hund diagnostiziert?
In der Praxis führen die für Borreliose typischen Beschwerden und ein möglicher Zeckenbefall in der Vergangenheit zu einem ersten Verdacht. Dieser lässt sich durch verschiedene Laboruntersuchungen bestätigen. Eine davon ist die Untersuchung des Blutserums des Hundes. Ist dieser im Verlauf seines Lebens mit dem Borreliose-Erreger in Kontakt gekommen, lassen sich auf diese Weise die Antikörper, die der Hund gegen sie gebildet hat, und damit indirekt auch der Erreger nachweisen.
Allerdings ist dieser serologische Test nicht aussagekräftig: Ob der Hund von einer infizierten Zecke gestochen oder in der Vergangenheit gegen den Erreger geimpft wurde – in beiden Fällen fällt der Test positiv aus. Der Test zeigt also nur, ob ein Kontakt zum Erreger bestand oder nicht.
Einem positiven Untersuchungsergebnis und weiter bestehendem Verdacht folgt daher oft eine Untersuchung, mit der sich der Erreger direkt nachweisen lässt. Dies geschieht mit einem speziellen Test, der Polymerase-Ketten-Reaktion (Polymerase-Chain-Reaction, PCR). Dafür entnehmen Tierärztinnen und Tierärzte Hautproben (Biopsien) aus der Nähe des Zeckenstichs oder Gelenksflüssigkeit aus betroffenen Gelenken. Ist dieser direkte Borreliose-Test positiv, gilt die Diagnose als sicher.
Was verursacht Borreliose?
Die Borreliose wird von einer bestimmten Gruppe spiralförmiger Bakterien verursacht: den Borrelien. Es sind 11 Borrelien-Spezies bekannt, die zur Borrelien-Gruppe Borrelia burgdorferi sensu lato zählen. Sie lösen beim Hund Borreliose aus, wenn dieser von einer mit Borrelien infizierten Zecke gestochen wird.
Der Hauptüberträger ist der gemeine Holzbock (Ixodes ricinus), der zu den Schildzeckenarten zählt. Er kommt häufig vor und ist in Europa praktisch überall verbreitet. Allerdings: Nicht jede Zecke ist mit Borrelien infiziert, und die Anzahl infizierter Zecken ist in manchen Regionen höher als in anderen. Zudem lassen sich verunsicherte TierhalterInnen oft mit der Information beruhigen, dass das Risiko dafür, dass ein Hund nach einer Erregerübertragung auch an Borreliose erkrankt, gering ist.
Gut zu wissen:
Infizierte Zecken müssen mindestens für eine Dauer von 16 bis 24 Stunden an ihrem Wirt saugen, bevor sie die Borrelien übertragen können. Erst einige Zeit ab diesem Zeitraum gibt die Zecke die Borrelien mit ihrem Speichel in die Wunde ab, und es kommt zur Ansteckung.
Wie lässt sich einer Übertragung vorbeugen?
Als Hilfsmittel zur Zeckenentfernung eignen sich zum Beispiel eine Zeckenzange, eine Zeckenkarte oder eine Zeckenschlinge („Zeckenlasso“). Folgende Schritte erleichtern das sichere Entfernen der Zecke:
- Die Zecke am Kopf, d. h. so dicht wie möglich an der Haut, fixieren
- Mit einem gleichmäßigen Zug (vom Körper weg) herausziehen
- Den Zeckenstich anschließend desinfizieren (z. B. mit einem Mittel zur Hautdesinfektion aus der Apotheke)
- Die entfernte Zecke sorgfältig entsorgen
Wird die Zecke so und sobald sie bemerkt wurde entfernt, lässt sich das Übertragungsrisiko von Borrelien auf den Hund stark senken, denn: Während der Blutmahlzeit wandern die Borrelien aus dem Darm der infizierten Zecke zu den Speicheldrüsen. Von dort gelangen sie mit dem Speichel in die Einstichstelle und den Hund. Wird der Zeckenkörper während dieses Vorgangs gedrückt oder gequetscht, können mehr Erreger auf den Hund übertragen werden. Um dies zu verhindern, sollte
- der Zeckenkörper nicht gequetscht oder auf andere Weise manipuliert werden.
- kein Öl, Klebstoff, Alkohol oder sonstiges auf die Zecke aufgetragen werden.
Borreliose-Therapie: Was kann helfen?
Ein Hund, der an einer Borreliose erkrankt ist, erhält in der Regel ein Antibiotikum (meist Doxycyclin oder Amoxicillin) über eine Dauer von mindestens vier Wochen. Um die Erreger erfolgreich zu bekämpfen, ist es besonders wichtig, dass die Behandlung möglichst früh beginnt sowie lange genug und ohne Unterbrechung erfolgt. Um die Borreliose-Symptome zu lindern, können zusätzliche Medikamente eingesetzt werden, etwa Schmerz- und entzündungshemmende Medikamente.
Was bietet dem Hund Schutz vor Borreliose?
Der beste Schutz vor einer Borreliose ist es, einem Zeckenbefall vorzubeugen. Dazu eignen sich Anti-Zeckenmittel (Akarizide), die dem Hund in bestimmten Zeitintervallen verabreicht werden. Die Mittel sollten so lange kontinuierlich angewendet werden, wie Zecken aktiv sein können, das heißt mitunter auch im Winter, falls milde Temperaturen (ab 7 °C) herrschen. Zudem ist es ratsam, den Hund nach jedem Spaziergang vom Kopf bis zur Rute nach Zecken abzusuchen und diese stets unmittelbar und sachgemäß zu entfernen.
In Deutschland sind mehrere Borreliose-Impfstoffe verfügbar, allerdings ist bis jetzt nicht zweifelsfrei geklärt, welchen Nutzen sie haben.
Stand: Juli 2026
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Weitere Informationen zu den wichtigsten durch Vektoren übertragenen Krankheiten (VBD) bei Hunden finden Sie in der ESCCAP-Guideline „Empfehlungen zur Bekämpfung von durch Vektoren übertragenen Krankheiten bei Hunden und Katzen“
Quellen:
ESCCAP-Empfehlung Nr. 3: Bekämpfung von Ektoparasiten (…..) bei Hunden und Katzen, 2022
ESCCAP-Empfehlung Nr. 5: Bekämpfung von durch Vektoren übertragenen Krankheiten bei Hunden und Katzen, 2011
Kohn, B., Schwarz, G.: Praktikum der Hundeklinik. Enke 2017






