Lungenwürmer sind Parasiten aus dem Stamm der Fadenwürmer (Nematoden), die sich in den Atemwegen oder Lungenarterien von Hunden oder anderen Tieren ansiedeln. Sie können Gewebeschäden anrichten sowie zu Blutgerinnungsstörungen und anderen krankhaften Veränderungen führen. Die ernstzunehmende Erkrankung tritt in Deutschland immer häufiger auf. In schweren Fällen kann es zum Tod des Tiers kommen.
Hierzulande sind beim Hund vor allem folgende Lungenwurm-Arten relevant:
- Französischer Herzwurm (Angiostrongylus vasorum)
- Schachtelhalmförmiger Lungenwurm (Crenosoma vulpis)
- Lungenhaarwurm (Capillaria aerophila)
Die beiden häufigen Lungenwurmarten Angiostrongylus vasorum und Crenosoma vulpis sind relativ klein und messen nur zwischen etwa 0,4 und 1,8 Zentimetern. Der weitaus seltenere Lungenhaarwurm Capillaria aerophila wird bis etwa vier Zentimeter lang.
Wie bemerkt man Lungenwürmer beim Hund?
Typische Symptome von Lungenwürmern beim Hund betreffen vor allem die Atemwege und den allgemeinen Gesundheitszustand, können aber auch Gerinnungsstörungen, Lungenhochdruck, Magen-Darm-Probleme oder Störungen des Nervensystems umfassen. Möglich sind beispielsweise:
- Husten
- Atemnot (Dyspnoe)
- Schnelle Erschöpfung
- Gewichtsverlust/Abmagerung
- Nasenbluten
- Blutergüsse (Hämatome)
- Fieber
- Blutarmut (Anämie)
- Krampfanfälle
Wichtig: Husten beim Hund sollte immer tierärztlich abgeklärt werden, da er ein frühes Anzeichen für Lungenwürmer oder andere ernstzunehmende Erkrankungen sein kann.
Wie scheiden Hunde Lungenwürmer aus, und wie stecken sie sich an?
Mit den häufigen Lungenwurmarten infizierte Hunde scheiden über ihren Kot Erstlarven aus. Die Erstlarven werden von Zwischenwirten wie Nackt- und Gehäuseschnecken aufgenommen, in denen sie sich zu Drittlarven weiterentwickeln. Diese infizieren dann nach Aufnahme über das Maul (oral) ihre Endwirte (also Tiere, in denen sich die Parasiten zu erwachsenen Würmern entwickeln und sich fortpflanzen) wie Hunde, Füchse und andere Tiere. Dabei gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, wie die Larven in den Endwirt gelangen, etwa über
- den Verzehr infizierter Schnecken,
- den Verzehr oder das Ablecken von Gras, an dem sich aus Schnecken freigesetzte Larven befinden oder
- die Aufnahme von Wasser, das mit den Schnecken in Kontakt gekommen ist.
Im Körper von Hunden und anderen Endwirten wandern die infektiösen Drittlarven zu den Blutgefäßen und Atemwegen, wo sie zu geschlechtsreifen Würmern heranwachsen und beginnen, sich zu vermehren.

Lebenszyklus von Angiostrongylus vasorum
Mit dem Lungenhaarwurm infizierte Hunde scheiden Eier aus, in denen sich eine Erstlarve entwickelt, die für Hunde und andere Tiere wie Füchse oder Katzen infektiös ist. Die Infektion mit diesen larvenhaltigen Eiern erfolgt wiederum durch Aufnahme über das Maul (oral), beispielsweise durch
- Kotfressen von infizierten Tieren,
- Auflecken von Eiern aus der Umgebung oder
- Fressen von Regenwürmern, die zuvor larvenhaltige Eier aufgenommen haben.
Die jeweiligen Arten von Lungenwürmern unterscheiden sich geringfügig darin, wie die Larven durch den Körper wandern und wo sie sich letztlich ansiedeln beziehungsweise heranreifen und fortpflanzen:
Angiostrongylus vasorum (Französischer Herzwurm):
Die infektiösen Drittlarven wandern nach der Aufnahme über die Lymphknoten ihres Wirts in die Blutgefäße, von dort in die rechte Herzkammer und die Lungenarterien, wo sie sich dann zu ausgewachsenen Würmern entwickeln.
Crenosoma vulpis (Schachtelhalmförmiger Lungenwurm):
Bei diesem Lungenwurm wandern die Larven nach der Nahrungsaufnahme aus dem Darm in die Blutgefäße ihres Wirts und von dort meist über die Leber zum Herzen und schließlich in die Lunge. In manchen Fällen wird die Leber aber auch umgangen. Die erwachsenen Würmer siedeln sich vorzugsweise in der Luftröhre und den Bronchien der Lunge an.
Capillaria aerophila (Lungenhaarwurm)*
Diese seltene Parasitenart gelangt über die Blutgefäße zum Herzen und weiter in die Lunge. Schließlich nisten sich die Würmer nach der Infektion in der Luftröhre oder den Bronchien ein.
Bis sich erste Vermehrungsprodukte wie Eier und Larven nachweisen lassen, dauert es bei Angiostrongylus vasorum etwa sechs bis acht Wochen, bei Crenosoma vulpis etwa drei Wochen und bei Capillaria aerophila etwa vier Wochen.
*Hinweis: Auch Katzen können sich mit Lungenwürmern infizieren. Allerdings befallen Lungenwürmer wie der Französische Herzwurm, deren Wirte primär Hunde sind, Katzen nur äußerst selten. Von den bekannten Lungenwürmern ist nur der Lungenhaarwurm Capillaria aerophila für Katzen und Hunde gleichermaßen gefährlich.
Wo kommen Lungenwürmer vor?
Der Französische Herzwurm A. vasorum ist weltweit verbreitet und kommt in ganz Europa vor. Auch der Schachtelhalmförmige Lungenwurm C. vulpis und der Lungenhaarwurm C. aerophila sind überall in Europa verbreitet und kommen zudem in Teilen Asiens und Nordamerikas vor.
Diagnose: Wie werden Lungenwürmer beim Hund festgestellt?
Bei Verdacht auf eine Lungenwurminfektion ist es ratsam, eine tierärztliche Praxis aufzusuchen, um eine frühzeitige Diagnose und Behandlung zu gewährleisten.
Wichtige Fragen beim Gespräch mit den dortigen Fachpersonen sind:
- Seit wann hustet der Hund?
- Gab es blutigen Auswurf, blutigen oder schwarzen Kot oder andere Blutungen wie Nasenbluten, Hämatome, Bluthusten, Blut im Urin etc.? Seit wann tritt das auf?
- Gibt es Auffälligkeiten beim Spielen oder Spaziergang wie Leistungsschwäche oder Umfallen?
- Hat der Hund beim Spazierengehen Kontakt mit Schnecken beziehungsweise leckt er an Gras oder frisst er es?
- Wann und womit wurde der Hund das letzte Mal entwurmt?
Um Lungenwürmer beim Hund zu diagnostizieren, gibt es verschiedene Testmöglichkeiten.
Kotuntersuchung
Kotproben (mindestens zehn Gramm) sollten so frisch wie möglich untersucht werden. Bei den beiden häufigen Lungenwurmarten erfolgt die Diagnose über den Nachweis der Larven im Kot. Diese werden allerdings unregelmäßig ausgeschieden. Wenn der Test negativ ausfällt, aber trotzdem der Verdacht auf eine Lungenwurm-Infektion besteht, empfiehlt es sich deshalb, den Test zu wiederholen. Der seltene Lungenhaarwurm wird anhand seiner Eier im Kot nachgewiesen.
Antigen-Schnelltest
Der Antigen-Schnelltest weist bestimmte artspezifische Bestandteile (Antigene) von Angiostrongylus vasorum im Serum oder Plasma nach. Andere Lungenwurmarten lassen sich mit diesem Test jedoch nicht diagnostizieren.
DNA-Nachweis mittels PCR
Die Polymerase-Kettenreaktion (PCR) dient dem Nachweis von DNA der Lungenwurmarten Angiostrongylus vasorum und Crenosoma vulpis. Für den Nachweis ist erregerhaltiges Material notwendig. In der Regel wird Kot untersucht, ein Nachweis kann aber auch aus Bronchialsekret bzw. Lungenspülproben erfolgen.
Hinweis: Die verschiedenen Nachweismethoden können falsch negativ sein und sollten bei weiter bestehendem Verdacht wiederholt oder mit anderen Tests kontrolliert werden.
Lungenwurm beim Hund: Röntgenbild
Ein Röntgenbild bietet sich an, um eine bereits bestehende Verdachtsdiagnose zu erhärten, da sich Lungenveränderungen und teilweise auch resultierende Herzerkrankungen feststellen lassen.
Behandlung: Was hilft gegen Lungenwürmer beim Hund?
Ein Lungenwurmbefall wird mit Anthelminthika behandelt. Durch die Wurmkur mit speziellen Wirkstoffen werden die Parasiten abgetötet.
Zur Verfügung stehen makrozyklische Lactone wie Moxidectin und Milbemycinoxim, gegen den Lungenhaarwurm jedoch nur Moxidectin. Je nach Präparat sind wiederholte Behandlungen notwendig. Bei schwerem Befall ist mitunter zusätzlich die Gabe von Infusionen, Blutspenden, Sauerstoff und/oder Entzündungshemmern nötig. Während der Behandlung sollte der Hund zudem für mindestens zwei bis drei Tage ruhiggehalten werden.
Eine konsequente Behandlung der Lungenwürmer beim Hund führt in den meisten Fällen zur vollständigen Genesung.
Natürliche Behandlung – sinnvoll oder nicht?
Eine natürliche Behandlung von Lungenwürmern beim Hund ist nicht zu empfehlen. Um die Parasiten abzutöten, ist die Anwendung der genannten Antiparasitika unerlässlich.
Wie gehe ich vor, wenn mein Hund ein Risiko für eine Lungenwurminfektion hat?
Hunde, die Schnecken oder Gras fressen oder dazu neigen, am Boden zu lecken, sollten vier- bis zwölfmal pro Jahr gegen Lungenwürmer behandelt werden. Alternativ können in gleichen zeitlichen Abständen Kotuntersuchungen durchgeführt werden.
Es empfiehlt sich generell, den Kontakt der Hunde zu Schnecken und das Fressen von Gras oder Lecken in der Umgebung nach Möglichkeit zu unterbinden.
Prophylaxe: Kann man Lungenwürmern beim Hund vorbeugen?
Ja, es kann verhindert werden, dass sich in einem Hund erwachsene Lungenwürmer entwickeln und fortpflanzen. Besteht ein entsprechendes Risiko, weil Hunde beispielsweise Schnecken oder Gras fressen oder gern in der Umgebung lecken, ist eine vorbeugende monatliche Behandlung gegen einen Angiostrongylus-vasorum-Befall eine sinnvolle Maßnahme.
Übertragungsrisiko zwischen Hund und Mensch
Der Französische Herzwurm Angiostrongylus vasorum und der Schachtelhalmförmige Lungenwurm Crenosoma vulpis sind für den Menschen ungefährlich. Der Lungenhaarwurm Capillaria aerophila verursacht selten auch Infektionen bei Menschen.
Quellen:
ESCCAP-Empfehlung No. 1: Bekämpfung von Würmern (Helminthen) bei Hunden und Katzen. Stand 08/2025.
Wie häufig Kotuntersuchungen oder Wurmkuren vorgenommen werden sollten, hängt von der Haltung, Ernährung und Nutzung des Vierbeiners ab. Welche Abstände beim eigenen Tier empfohlen sind, können Hunde- und KatzenhalterInnen in einem Online-Test ermitteln.
Stand: August 2026





